Donnerstag, 17. August 2017

Eine Richterin ohne Gesetz.


 
In Fichtens Moral sind die richtigsten Ansichten der Moral. Die Moral sagt schlechterdings nichts Bestimmtes – sie ist das Gewissen – eine bloße Richterin ohne Gesetz. Sie gebietet unmittelbar, aber immer einzeln. Sie ist durchaus Entschlossenheit. Richtige Vorstellung vom Gewissen. Gesetze sind der Moral durchaus entgegen.
________________________________  
Novalis, Allgemeines Brouillon N°670





 

Dienstag, 15. August 2017

Das Sittengesetz ist selbstgemacht.



...daß das Sittengesetz gar nicht so etwas ist, welches ohne alles Zutun in uns sei, sondern daß es erst durch uns selbst gemacht wird.  
_____________________________________________________________________ 
J. G. Fichte, System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. IV, S. 192




Montag, 14. August 2017

Das Prinzip der Sittlichkeit.



Das Prinzip der Sittlichkeit ist der notwendige Gedanke der Intelligenz, dass sie ihre Freiheit nach dem Begriffe der Selbstständigkeit schlechthin ohne Ausnahme bestimmen solle.
___________________________________________________________________
J. G. Fichte, Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 59






Sonntag, 13. August 2017

Antikritischer Naturrausch.



Die Natur in specie: als das, was das, was es ist, durch sich selbst ist, kommt in der Wissenschaftslehre erst am Schluss vor. Das brachte sie in Gegensatz zum damals gerade anhebenden obskurantistisch-selbstgefälligen Zeitgeist und hat ihr sicher mehr geschadet als der Atheismusstreit

Auch in den vergangenen dreißig Jahren hat ein solcher geherrscht, aber damit scheint es zu Ende zu gehen. Sollte eine kritische und rationelle Geisteshaltung an ihre Stelle treten, könnte die Transzendentalphilosophie einmal Allgemeingut werden. Zuvor müssten allerdings ihre konstruktivistischen und sprachanalytisch-"sys- tematischen" Surrogate aus dem Weg geschafft werden.



Samstag, 12. August 2017

Der Endzweck ist Resultat.



...das Handeln mehrerer Vernunftwesen ist eine einzige durch Freiheit bestimmte Kette. Die ganze Vernunft ist nur ein einziges Handeln. Ein Individuum fängt an, ein anderes greift ein und so fort, und so wird der ganze Vernunftzweck durch unendlich viele bearbeitet und ist das Resultat von der Einwirkung aller. 

Es ist dies keine Kette physischer Notwendigkeit, weil von Vernunftwesen die Rede ist. Die Kette geht immer in Sprüngen, das Folgende ist immer durchs Vorher//gehende bedingt; aber dadurch nicht bestimmt und wirk- lich gemacht (vide Sittenlehre). Die Freiheit besteht darin, dass aus allen Möglichen nur ein Teil an die Kette an- geschlossen werde. 
______________________________________________________
in: J. G. Fichte,
Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 232f



Die Wissenschaftslehre erzählt nicht nach, 'wie es wirklich ist', sondern stellt dar, was in der Vorstellung wirk- lich vorkommt und weshalb das notwendig ist. Hier steht also sinngemäß: Alles Reden von Vernunft hat einen intelligiblen Sinn nur, wenn man sie so auffasst. Wird der Weg fortgegangen, so wird es eine Kette sein. Aber sie wird aus Freiheit fortgewirkt. Wenn wir uns also (in der Abstraktion) denken, dass sie einmal an ein Ende kä- me, so wäre es nicht durch physische Notwendigkeit als Folge seiner Ursache, sondern durch Freiheit als Zweck gesetzt: 'bedingt, aber nicht bestimmt'. Die Freiheit hätte an jedem Punkt auch andere Möglichkeiten wählen und andere Teile anfügen können. Der 'Endzweck' wäre ein anderer geworden.

Wenn Hans Vaihinger die Wissenschaftslehre nova methodo gekannt hätte, wären ihm die Augen übergegangen und er hätte auf seine dickleibige Philosophie des Als Ob achselzuckend verzichtet. Und wenn Fichte seinen Weg nova methodo 'zuende gegangen' wäre, hätte er sich nie auf die dogmatische Auffassung eines Realabsoluten und eines gegebenen Endzwecks der Vernunft einlassen können.

JE 



 

Freitag, 11. August 2017

Die Sache selbst und die dialektische Form.



Vom Begriff kann ich mir einbilden, er wäre da gewesen, lange bevor ich (oder irgendwer sonst) ihn begriffen hätte. Es ist nicht wahr, dass ein Begriff in sein Gegenteil umschlägt, um sich auf höherer Ebene synthetisch wiedermit sich zu vereinigen. Der Begriff tut gar nichts. Er ist de-finiert - eingegrenzt - durch die Anzahl der - ihrerseits begrifflich festgestellten - Merkmale, die ihm zugeschrieben werden. Ob dieses oder jenes noch dazu gehört, darüber lässt sich streiten; im Prinzip endlos: denn es kommt nur darauf an, wozu ich ihn brauchen will.

Eine Vorstellung kann ich mir nicht vorstellen ohne einen, der sie sich vorstellt. Solange eine Vorstellung unbe- stimmt bleibt, 'habe' ich sie noch nicht: Sie schwebt mir allenfalls vor. Will ich sie haben, um sie zu gebrauchen, muss ich sie bestimmen, und das kann ich nur, indem ich sie in ihren Gegensatz zerlege. Höhe 'gibt es' nur als Gegensatz von Oben und Unten, Fläche als Gegensatz von Längs und Quer, Raum als Gegensatz zweier rekt- angulär versetzten Flächen.

Jede Vorstellung ist (relativ) bestimmt gegenüber derjenigen, die ihr zugrunde lag, jede Vorstellung ist (relativ) unbestimmt gegenüber denen, die - durch Entgegensetzung - aus ihr entwickelt werden können. 'Das, was' in ihnen Substanz, nämlich das bestimmend Tätige ist, ist nicht das Vorgestellte, sondern der Vorstellende. Er ist das Dynamische, er 'ist' überhaupt nur, sofern er bestimmend tätig bleibt. Die dialektische Form ist dem Vor- stellen immanent und nicht, wie dem Begriff, von außen übergeholfen.

Der Vorstellende muss das bestimmende Fortschreiten absichtlich unterbrechen, wenn er eine Vorstellung in ihrem momentanen, stets relativ unbestimmten Zustand festhalten und als solche 'anschauen' will. Das ist der ästhetischen Zustand, der schon einen höheren Bildungsgrad anzeigt. 

Merke: Eine Vorstellung kann ich - anders als den Begriff - 'um ihrer selbst willen' haben wollen.







Nota. Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.