Donnerstag, 17. August 2017

Eine Richterin ohne Gesetz.


 
In Fichtens Moral sind die richtigsten Ansichten der Moral. Die Moral sagt schlechterdings nichts Bestimmtes – sie ist das Gewissen – eine bloße Richterin ohne Gesetz. Sie gebietet unmittelbar, aber immer einzeln. Sie ist durchaus Entschlossenheit. Richtige Vorstellung vom Gewissen. Gesetze sind der Moral durchaus entgegen.
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Novalis, Allgemeines Brouillon N°670





 

Dienstag, 15. August 2017

Das Sittengesetz ist selbstgemacht.



...daß das Sittengesetz gar nicht so etwas ist, welches ohne alles Zutun in uns sei, sondern daß es erst durch uns selbst gemacht wird.  
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J. G. Fichte, System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW Bd. IV, S. 192




Montag, 14. August 2017

Das Prinzip der Sittlichkeit.



Das Prinzip der Sittlichkeit ist der notwendige Gedanke der Intelligenz, dass sie ihre Freiheit nach dem Begriffe der Selbstständigkeit schlechthin ohne Ausnahme bestimmen solle.
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J. G. Fichte, Das System der Sittenlehre nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, SW IV, S. 59






Sonntag, 13. August 2017

Antikritischer Naturrausch.



Die Natur in specie: als das, was das, was es ist, durch sich selbst ist, kommt in der Wissenschaftslehre erst am Schluss vor. Das brachte sie in Gegensatz zum damals gerade anhebenden obskurantistisch-selbstgefälligen Zeitgeist und hat ihr sicher mehr geschadet als der Atheismusstreit

Auch in den vergangenen dreißig Jahren hat ein solcher geherrscht, aber damit scheint es zu Ende zu gehen. Sollte eine kritische und rationelle Geisteshaltung an ihre Stelle treten, könnte die Transzendentalphilosophie einmal Allgemeingut werden. Zuvor müssten allerdings ihre konstruktivistischen und sprachanalytisch-"sys- tematischen" Surrogate aus dem Weg geschafft werden.



Samstag, 12. August 2017

Der Endzweck ist Resultat.



...das Handeln mehrerer Vernunftwesen ist eine einzige durch Freiheit bestimmte Kette. Die ganze Vernunft ist nur ein einziges Handeln. Ein Individuum fängt an, ein anderes greift ein und so fort, und so wird der ganze Vernunftzweck durch unendlich viele bearbeitet und ist das Resultat von der Einwirkung aller. 

Es ist dies keine Kette physischer Notwendigkeit, weil von Vernunftwesen die Rede ist. Die Kette geht immer in Sprüngen, das Folgende ist immer durchs Vorher//gehende bedingt; aber dadurch nicht bestimmt und wirk- lich gemacht (vide Sittenlehre). Die Freiheit besteht darin, dass aus allen Möglichen nur ein Teil an die Kette an- geschlossen werde. 
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in: J. G. Fichte,
Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 232f



Die Wissenschaftslehre erzählt nicht nach, 'wie es wirklich ist', sondern stellt dar, was in der Vorstellung wirk- lich vorkommt und weshalb das notwendig ist. Hier steht also sinngemäß: Alles Reden von Vernunft hat einen intelligiblen Sinn nur, wenn man sie so auffasst. Wird der Weg fortgegangen, so wird es eine Kette sein. Aber sie wird aus Freiheit fortgewirkt. Wenn wir uns also (in der Abstraktion) denken, dass sie einmal an ein Ende kä- me, so wäre es nicht durch physische Notwendigkeit als Folge seiner Ursache, sondern durch Freiheit als Zweck gesetzt: 'bedingt, aber nicht bestimmt'. Die Freiheit hätte an jedem Punkt auch andere Möglichkeiten wählen und andere Teile anfügen können. Der 'Endzweck' wäre ein anderer geworden.

Wenn Hans Vaihinger die Wissenschaftslehre nova methodo gekannt hätte, wären ihm die Augen übergegangen und er hätte auf seine dickleibige Philosophie des Als Ob achselzuckend verzichtet. Und wenn Fichte seinen Weg nova methodo 'zuende gegangen' wäre, hätte er sich nie auf die dogmatische Auffassung eines Realabsoluten und eines gegebenen Endzwecks der Vernunft einlassen können.

JE 



 

Freitag, 11. August 2017

Die Sache selbst und die dialektische Form.



Vom Begriff kann ich mir einbilden, er wäre da gewesen, lange bevor ich (oder irgendwer sonst) ihn begriffen hätte. Es ist nicht wahr, dass ein Begriff in sein Gegenteil umschlägt, um sich auf höherer Ebene synthetisch wiedermit sich zu vereinigen. Der Begriff tut gar nichts. Er ist de-finiert - eingegrenzt - durch die Anzahl der - ihrerseits begrifflich festgestellten - Merkmale, die ihm zugeschrieben werden. Ob dieses oder jenes noch dazu gehört, darüber lässt sich streiten; im Prinzip endlos: denn es kommt nur darauf an, wozu ich ihn brauchen will.

Eine Vorstellung kann ich mir nicht vorstellen ohne einen, der sie sich vorstellt. Solange eine Vorstellung unbe- stimmt bleibt, 'habe' ich sie noch nicht: Sie schwebt mir allenfalls vor. Will ich sie haben, um sie zu gebrauchen, muss ich sie bestimmen, und das kann ich nur, indem ich sie in ihren Gegensatz zerlege. Höhe 'gibt es' nur als Gegensatz von Oben und Unten, Fläche als Gegensatz von Längs und Quer, Raum als Gegensatz zweier rekt- angulär versetzten Flächen.

Jede Vorstellung ist (relativ) bestimmt gegenüber derjenigen, die ihr zugrunde lag, jede Vorstellung ist (relativ) unbestimmt gegenüber denen, die - durch Entgegensetzung - aus ihr entwickelt werden können. 'Das, was' in ihnen Substanz, nämlich das bestimmend Tätige ist, ist nicht das Vorgestellte, sondern der Vorstellende. Er ist das Dynamische, er 'ist' überhaupt nur, sofern er bestimmend tätig bleibt. Die dialektische Form ist dem Vor- stellen immanent und nicht, wie dem Begriff, von außen übergeholfen.

Der Vorstellende muss das bestimmende Fortschreiten absichtlich unterbrechen, wenn er eine Vorstellung in ihrem momentanen, stets relativ unbestimmten Zustand festhalten und als solche 'anschauen' will. Das ist der ästhetischen Zustand, der schon einen höheren Bildungsgrad anzeigt. 

Merke: Eine Vorstellung kann ich - anders als den Begriff - 'um ihrer selbst willen' haben wollen.







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Donnerstag, 10. August 2017

Die Darstellung und die Sache selbst.



"Die Darstellung erkläre ich selbst für höchst unvollkommen und mangelhaft", schrieb Fichte zu Ostern 1796 im Vorbericht zur ersten Buchausgabe der Grundlage. Und doch hat er sie bis zu seinem Tod in seinen Kollegien als Begleitschrift zu den mündlichen Darstellungen der Wissenschaftslehre verwendet - wie ja auch in den Vor- lesungen nova methodo. Zeitlebens habe er 'nie etwas anderes gelehrt', hat er stets versichert... 

Lediglich die Darstellungsweise sei ungeschickt gewesen und habe zu vielerlei Missverständnissen Anlass ge- geben: "So kann ich allerdings Unrecht gehabt haben, dass ich die bei mir durch das ganze System bestimmten Grundsätze desselben hingab, ohne das System; und mir von den Lesern und Beurtheilern die Geduld ver- sprach, alles so unbestimmt zu lassen, als ich es gelassen hatte." 

Es ist aber nicht nur eine didaktische Frage, ob man die Grundsätze des Systems aufstellen könne, bevor man dieses selbst aus- und durchgeführt hat. Bei einem spekulativ konstruierten metaphysischen System mag das möglich sein. Ein transzendental philosopisches System darf nicht einmal den Gedanken aufkommen lassen, dass es so verfahren sei. Es muss, wie die Nova methodo es ja tut, sein Vorgehen Schritt für Schritt vorführen, weil es nicht (logisch) fertige Begriffe aneinander knüpft, sondern (genetisch) lebende Vorstellungen auseinander her- vorbringt.

In specie: Dass das menschliche (welches wohl sonst?) Wissen auf einem "absolut-ersten, schlechthin unbe- dingten Grundsatz" beruhe, den man (in ihm selbst?) nur "auffinden" müsse, ist eine Voraussetzung, die er an dieser Stelle ohne alles Recht macht. Zwar hatte er, bevor er seine Vorlesungen in Jena begann, die Schrift Über den Begriff der Wissenschaftslehre vorgelegt, die eben davon handelt. Deren Kenntnis durfte er vielleicht bei seinen Hörern voraussetzen; doch wir werden finden, dass die Wissenschaftslehre nicht eine Kenntnis nach der ande- ren - woher auch immer - herbeizieht und auf einander schichtet, sondern aus notwendigen Vorstellungen weitere Vorstellungen entwickelt. 

Das ist kein Unterschied in der Darstellungsweise, sondern in dem, was dargestellt wird. Fichte spricht diesen Unterschied später in der Nova methodo immer wieder an, namentlich dort, wo er an die Grenzen der sprachli- chen Ausdrucksmöglichkeiten stößt; doch nie spricht er aus, dass es dieser Unterschied ist, der sein philosophi- sches System wesentlich von allen vorhergegangenen unterscheidet.  








Sie erkennen keinen Zusammenhang zwischen dem Eintrag und dem Bild? Es gibt keinen. Ich habe nichts Passendes ge- funden. JE

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Mittwoch, 9. August 2017

Der erste, schlechthin gültige Grundsatz der Wissenschaftslehre.



Wir haben den absolut-ersten, schlechthin unbedingten Grundsatz alles menschlichen Wissens aufzusuchen. Beweisen oder bestimmen lässt er sich nicht, wenn er absolut-erster Grundsatz seyn soll.
 

Er soll diejenige Thathandlung ausdrücken, welche unter den empirischen Bestimmungen unseres Bewusstseyns nicht vorkommt, noch vorkommen kann, sondern vielmehr allem Bewusstseyn zum Grunde liegt, und allein es möglich macht. Bei Darstellung dieser Thathandlung ist weniger zu befürchten, dass man sich in etwa dabei dasjenige nicht denken werde, was man sich zu denken hat – dafür ist durch die Natur unseres Geistes schon gesorgt – als dass man sich dabei denken werde, was man nicht zu denken hat. Dies macht eine Reflexion über dasjenige, was man etwa zunächst dafür halten könnte, und eine Abstraction von allem, was nicht wirklich dazu gehört, nothwendig.  ...

Wir müssen auf dem Wege der anzustellenden Reflexion von irgend einem Satze ausgehen, den uns Jeder ohne Widerrede zugiebt. Dergleichen Sätze dürfte es wohl auch mehrere geben. Die Reflexion ist frei; und es kommt nicht darauf an, von welchem Puncte sie ausgeht. Wir wählen denjenigen, von welchem aus der Weg zu unserem Ziele am kürzesten ist.  

So wie dieser Satz zugestanden wird, muss zugleich dasjenige, was wir der ganzen Wissenschaftslehre zum Grunde legen wollen, als Thathandlung zugestanden seyn: und es muss aus der Reflexion sich ergeben, dass es als solche, zugleich mit jenem Satze, zugestanden sey. – Irgend eine Thatsache des empirischen Bewusstseyns wird aufgestellt; und es wird eine empirische Bestimmung nach der anderen von ihr abgesondert, so lange bis dasjenige, was sich schlechthin selbst nicht wegdenken und wovon sich weiter nichts absondern lässt, rein zurückbleibt. 
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J. G. Fichte, Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre, in: Johann Gottlieb Fichtes sämmtliche Werke. Band 1, Berlin 1845/1846, S. 91f.





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Dienstag, 8. August 2017

Das ist idealistische Philosophie.



Im Anschauen verliert das Ich sich im Objekte. S. 90
Etwas ist, das anschaubar ist. Etwas und Anschauung sind Wechselbegriffe. S. 55
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in: J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982


Was immer Sie sonst über idealistische Philosophie zu hören bekommen: Bei Fichte steht am Anfang des Bewusstseins nicht das Denken, sondern die Sinnlichkeit; und zwar die Sinnlichkeit eines Handelnden.  
JE





 

Montag, 7. August 2017

Anschaubar wird Freiheit erst, wo sie auf Widerstand trifft.


 
Die reale Tätigkeit ist als solche nicht anschaubar, sie ist nicht Etwas, sondern bloßer Gedanke. Anschaubares Etwas wird die Tätigkeit erst, weil und wenn sie auf ein Hindernis stößt, welches sie aufhält. Nicht in ihrer Tä- tigkeit selbst ist Freiheit anschaubar, sondern erst, wenn sie ein Objekt wählt, das ihr entgegen steht.

Freiheit ist dem tätigen Ich als seine Bestimmung zuerst nur zugedacht, ihre Energie heiße reale Tätigkeit; sie 'sind' insofern, als sie den Sinn der Handlung ausmachen, die doch selber das einzig Anschaubare, das real-Reale ist. Sie ist der Ausgangspunkt der Wissenschaftslehre, und nachdem jene sie in ihrem ersten, analytischen Gang als den einzig möglichen Grund der Ichheit bloßgelegt hatte, setzt sie in ihrem zweiten, synthetischen Gang das System der Vernunft aus diesem seinen Grund wieder zusammen. 


Auf Widerstand trifft Freiheit erst, wo aus dem Gedanken sinnliches Handeln wird: indem sie sich am Gegen- stand stößt.




 

Sonntag, 6. August 2017

Die Realität des Absoluten ist die Suche danach.



Der unendliche Raum wird (nach Fichte) so konstruiert, dass an den je gegebenen endlichen Raum jedesmal wieder ein endlicher Raum angefügt wird. Das absolute Objekt des Strebens wird so konstruiert, dass zu jedem gegebenen Objekt der freien Wahl wieder ein nächstes Objekt der freien Wahl hinzugefügt wird. Die Idee des Endzwecks wäre also der Inbegriff aller möglichen Zweckbegriffe, die indes unendlich viele und als solche nicht bestimmbar sind. Real ist, was anschaubar ist, die Realität des Absoluten ist die Suche danach.




 

Samstag, 5. August 2017

Der dingliche Schein stammt aus der Unbegreiflichkeit der Freiheit.


das eiskalte Händchen

Das erste Handeln geschieht aus Freiheit, es ist ein Handeln auf Etwas, aber es geschieht noch ohne Bewusstsein, weil es selbst Bedingung der Bewusstwerdung ist. Erst in der nachträglichen Reflexion kann es zum Gegenstand des Bewusstseins werden; ursprünglich liegt die Freiheit aber im Dunkeln: mit der freien Handlung auch das Etwas. Darum scheint es gegeben.

Da Fichte aber einmal den Denkzwang - die Unvermeidlichkeit, das Dings so zu denken und nicht anders (sofern es immerhin gedacht werden soll) - dem sinnlichen Gefühl gleichgestellt hat, könnte er uns das Gesetz der Verdinglichung, den dogmatischen Hang, den "dialektischen Schein" aus der Natur des diskursiven Denkens selbst ableiten: Nichts, was nicht in einem Gefühl gründet, ist real, nämlich anschaubar; real, weil anschaubar, ist, was in einem Gefühl gründet.

Kein Wunder also, dass uns Begriffe, die uns doch einem Denkzwang unterwerfen und die nur so und nicht anders gedacht werden können, wie Dinge vorkommen. Wie Dinge zweiter Ordnung, wenn man den Denkzwang als ein Gefühl zweiter Ordnung ansieht, aber wie Dinge eben doch. 





Freitag, 4. August 2017

Das Ich setzt sich als sich-selbst vorausgesetzt.


Magritte

Das Ich setzt sich nicht schlechtweg: Hoppla, jetzt kommt Ich!, sondern setzt sich als sich selbst vorausgesetzt; so, als ob es 'schon immer da gewesen' sei. Darum kann es sich einen wirklichen Anfang auch nicht vorstellen (und sein Ende will es sich nicht vorstellen).
 

Darum sind die empirischen Iche auch so leicht dazu zu überreden, dass sie "eigentlich" nur ein irdisches Akzi- dens einer überirdischen Substanz wären: Da fühlen sie sich nicht mehr so auf sich allein gestellt. Als Jacobi an Fichte schrieb, er bräuchte zum Leben etwas, woran er glauben kann, meinte er weniger den heiligen Geist, der ihn ruft, als vielmehr die sichere Hand eines Schöpfers, in der er ruht wie in Abrahams Schoß.

Das Ich setzt nicht nur sich selbst, sondern sich selbst als seinen eigenen Schöpfer. Das ist eine Anmaßung, und es wird ein Leben lang zu tun haben, ihr gerecht zu werden. Doch anders kann es nicht sein eigner Herr sein.




Donnerstag, 3. August 2017

Yστερον πρότερον.



Ich kann mir vorstellen, dass es das Ding gibt, ohne dass ich es mir vorstelle. Aber es selbst kann ich mir so nicht vorstellen. Ich reflektiere, ohne auf etwas zu reflektieren: Ich betrete die zweite semantische Stufe vor der ersten. Das geht natürlich nur, wenn ich die erste längst betreten hatte und es nur nicht mehr wahrhaben will.  

Einem Andern kann ich den Bären aufbinden, aber nicht mir. 

Nein, ganz falsch. Mir kann ich ihn aufbinden, aber keinem andern - es sei denn, er hätte das schon selber besorgt.







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Mittwoch, 2. August 2017

Qualität und Wille.



Qualitäten sind die Spuren, die das Wollen am Stoff hinterließ: Es infizierte ihn mit Absichten, aus denen seine Formen werden.

Qualitäten sind nur da für einen, der sie schätzt und wertet. Für den Stoff selbst gibt es sie nicht. Er ist lediglich an-sich. Qualität ist das, was gemeint ist. Und erst im Verhältnis dazu gewinnt der Stoff seine Form, an der die Qualitäten aufscheinen. Ihr Schein ist anschaubar, die Qualität selber ist es nicht. (Das Naturschöne ist ein Ab- kömmling des Kunstschönen: Es sieht so aus, als ob es einer beabsichtigt hätte.)










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Dienstag, 1. August 2017

Es "fehlt die Sprache".



Es kommt in der Nova methodo mancher sprachliche Eiertanz vor. Er wird jeweils notwendig, weil Fichte ver- sucht, eine lebendige Vorstellung in tote Begriffe zu fassen. 

Was eine Aufforderung ist im Unterschied zu einem Vorschlag, einer Einladung, einem Angebot, einer Wahl- möglichkeit usw., weiß jeder.* Es definitorisch in einen Begriff zu packen wird schwierig, wenn nicht schon das offenbar vorausgesetzte spezifische Verhältnis von Aufforderndem und Aufgefordertem mitgedacht wird, aber das ist nicht logischer, sondern faktischer Natur: Der Aufgeforderte hat sich eben als Glied der Reihe entdeckt, aus der die Aufforderung an ihn ergeht. Die Reihe ist ihm vorgegeben (posita); so die Aufforderung. Er kann sie nicht einfach nicht-befolgen, sondern müsste (und könnte) sie aus Freiheit aktiv verneinen; aber dafür bräuchte er einen Begriff = Zweck. Woher dieser? 
 

Fichte hat selber gar nicht so deutlich erkannt, dass er, da er doch die Dynamik des Vorstellens beschreiben will, das nicht mit der Mechanik der Begriffe tun kann. Er beklagt an mancher Stelle, dass "die Sprache fehlt", aber doch versucht er immer wieder, aus Definitionen zu konstruieren, was eigentlich nur im Bild angeschaut werden kann. (Die Begriffe kommen als Werkzeug der Kritik schon auch noch zu ihrem Recht.) 

  *) Aber schon, es in eine andere Sprache zu übersetzen, ist gar nicht leicht

Montag, 31. Juli 2017

Reale und ideale Tätigkeit.



Das Wollen - Streben, Trieb, Einbildungskraft - ist ursprünglich eines und dasselbe. Das Quantum Energie, das im Fühlen am Objekt hängenbleibt, werden wir ipso facto als reale Tätigkeit bezeichnen, den überschießenden freien Teil nennen wir die ideale. (Wenn sie sich reflektierend selber dem Gefühl zuwendet, geschieht dies aus Freiheit.) 

- Die Wissenschaftslehre schaut dem gemeinen Bewusstsein zu und beschreibt, wie es tatsächlich verfährt; allerdings nicht in Zeit und Raum, sondern in einem idealen Modell, wo alles zugleich geschieht, wenn auch Eines als genetisch bedingt durch das Andere. Es ist daher ganz in der Ordnung, wenn uns die eine oder andere Etappe in dieser Darstellung aus unserer eigenen Erfahrung bekannt vorkommt - sobald wir nämlich Raum und Zeit wieder hinzudenken. 

An dieser Stelle erinnern wir uns an das, was Schiller den "ästhetischen Zustand" nannte: Im ästhetischen Zu- stand sei der Mensch "gleich Null". Die ästhetischen Qualitäten, die wir wahrnehmen, sind unmittelbar im 'Ge- fühl' - soweit die 'reale' Tätigkeit, die sich hier 'begrenzt' vorkommt. Hinzu tritt die 'ideale' Tätigkeit, die das Ge- fühl anschaut; doch an der Stelle hält sie inne - aus Freiheit: Die ideale Tätigkeit hält sich selbst zurück, mit ande- ren Worten: der ästhetische Zustand tritt nur ein, wenn er beabsichtigt wird.

Doch im Normalfall unserer tätglichen Geschäfte fährt die ideale Tätigkeit fort.






Sonntag, 30. Juli 2017

Sich fort-bestimmen ist sich fort-setzen.



Das Ich setzt sich immer und immer wieder; nämlich wenn immer es sich so oder anders bestimmt hat, erscheint vor ihm ein Bestimmbares, in dem es sich fortbestimmen soll. Es "konstituiert" sich nicht irgendwann als ein Seiendes und ist fortan, sondern setzt und bestimmt sich immer wieder aufs Neue, es "ist" überhaupt nur ein Noumen- on. 





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Samstag, 29. Juli 2017

Ausgangs- und Zielpunkt der Philosophie sind nicht willkürlich.



Die Eingangsfrage war ja die: Wie kommen wir zu der Annahme, dass unseren Vorstellungen etwas außer uns entspricht? Das ist der Terminus ad quem. Terminus a quo ist: Im Bewusstsein ist nichts als Vorstellungen, oder: Ins Ich kommt nichts, als was es in sich setzt. Dieses muss aus jenem hergeleitet, jenes muss auf dieses hingeführt werden. Der Gang ist durch beide entgegengesetzte Prämissen vorgeschrieben, er ist lediglich auf- zusuchen - allerdings nicht so, wie er aus Begriffen definiert, sondern wie er in der Vorstellung wirklich hervor- gebracht werden könnte. 

Wohlverstanden: Nicht die Frage, ob es zutrifft, dass unseren Vorstellungen wirkliche Dinge außer uns entspre- chen, ist möglicher Zielpunkt der Philosophie; das muss vielmehr als gesichert angenommen werden. Denn unter der (rein hypothetischen) Annahme, dass ihnen keine realen Dingen entsprächen, wäre eine philosophi- sche Untersuchung überhaupt nicht möglich. Das heißt nicht, dass man diese Hypothese gar nicht erwägen dürfte. Nur philosophieren (=vernünftig schlussfolgern) lässt sich damit eben nicht. Sie ist eine logische Sackgasse.



Freitag, 28. Juli 2017

Inneres Wirken, wollen, Kraft.



Daher nun, von diesem Nötigen und Zwingen der Einbildungskraft, sich nur hierauf zu richten, kommt der Begriff von Kraft, der mit dem Willen vereinigt ist. Es ist nicht möglich, sich den Willen zu denken, ohne sich zugleich einen Anstoß, eine Anwendung von Gewalt zu denken. Das Wollen ist wahres inneres Wirken, Wirken auf sich selbst. Das herumschweifende Denken wird ergriffen und auf einen Punkt beschränkt.

Diese Vorstellung vom inneren Wirken kommt im Bewusst/sein vor als etwas zwischen Gefühl und Gedanken Schwebendes, man könnte es nennen ein intelligibles Gefühl. Wenn die Einbildungskraft sich selbst überlassen bleibt, so schweift sie sie herum, und es kostet innere Anstrengung, sie zu binden. 

Dieses Aktes, des Bindens, werde ich mir unmittelbar bewusst, indem ich ihn vollziehe, und hierdurch lässt sich die intelligible Welt an die Welt der Erscheinungen anknüpfen. Was in diesem Gefühle vorkommt, ist die erste innere Kraft, man könnte sie reine Kraft, Kraft auf sich selbst nennen. Sie ist Wirkung des Vernunftwesens auf sich selbst.

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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 126f. 
 



Das ist eine der wichtigsten Stellen in der ganzen Wissenschaftslehre.
 

Wenn man von dem metaphysischen Dogma von den zwei Substanzen, einer res extensa und einer res cogitans ausginge, wäre das ein atemberaubendes Kunststück: Wie stellt es die res extensa an, in die res cogitans vorzu- dringen? Doch in der Wissenschaftslehre, die den Gang des Bewusstseins zuerst rein phänomenal verfolgt, wurde eine solche Voraussetzung nicht gemacht. (Ihr Gegenstand ist die Vorstellung, und dort kam sie bislang nicht vor.)
 

Das Faktum der Konzentration unserer Aufmerksamkeit - denn davon ist hier die Rede - lässt sich nicht leugnen, ob man es nun erklären kann oder nicht. Aufmerken ist reflektieren und abstrahieren in Einem. Der elementarste Bewusstseinsakt ist: auf mein Gefühl achtgeben. Es ist die Stelle, wo ein empirisches Selbst zu einem vernünftigen Ich wird.  

Dass er im Moment akuter Gefahr alle Aufmerksamkeit darauf konzentriert und selbst Schmerzen unter Umständen gar nicht 'merkt', unterscheidet den Menschen nicht vom Tier: Dem geht's nicht anders; sondern dass er sein Aufmerken will kürlich richten kann. Das ist die Grundform von Wollen, und Wollen ist die Substanz von Geist. (Geist sieht nicht auf Dinge ab, sondern auf Probleme.)






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Donnerstag, 27. Juli 2017

Statische und dynamische Darstellung.


  spandau-arcaden

Die genetische Darstellung unterscheidet sich von der historischen so: In ihr ist nicht von zeitlichem Nach- einander die Rede, sondern von sinnhaften Bedingungsverhältnissen.
 

Von der logischen Darstellung unterscheidet sie, dass sie keine (durch wen? mit welchem Recht?) definierten Begriffe verwendet, denn die sind statisch und lassen sich nur durch die Schlussregeln verknüpfen, doch die sind rein formal. Die Absicht, in der sie verknüpft werden, kommt unkontrolliert von außen. Die Anwendung der Logik ist willkürlich, aber sie verbirgt es.

In der genetischen Darstellung gehen dagegen Vorstellungen aus einander hervor, das Vorstellen ist lebendige Tätigkeit, die selber absieht und die, nachdem sie A gesagt hat, B sagen müsste - sofern sie nicht ganz aufhören will. Ihr Forstschreiten ist notwendig. Die logische Darstellung ist statisch, die genetische ist dynamisch. Und wenn es darum geht, das Bewusstsein aus sich zu verstehen, ist die dynamische am Platz; aber nur da.




Mittwoch, 26. Juli 2017

Anschauung zweiten Grades.



Nur ein jenseits von Raum und Zeit gedachtes Tun ist als ein Schema darzustellen; und dies zum Zweck der Anschauung: In der Wirklichkeit lässt sich immer nur dieses oder jenes Tun anschauen; wenn ich aber Tun-überhaupt anschauen will, muss ich die Bestimmungen von Raum und Zeit fortlassen - alles, was eine Wirklichkeit als eine solche erst ausmacht. 

Schema ist ein Schlüsselbegriff der Wissenschaftslehre. Er bezeichnet das Paradox eines übersinnlichen Bildes und eigentlich den Übergang von der Anschauung zum Begriff. 


 


Dienstag, 25. Juli 2017

Das Übersinnliche ist Schema des Handelns.



Das Schema fürs Übersinnliche ist das Handeln. 
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 113 



Nota. -  Im Übersinnlichen sind keine Dinge abgebildet, sondern das, was man mit ihnen tun kann. Die Begriffe der Dinge bezeichnen ihre möglichen Zwecke.
JE






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Sonntag, 23. Juli 2017

Die Dialektik von Stoff und Form.



Die Form ist das Bestimmbare an der Materie. Das Bestimmbare an der Materie ist ihre Form. Form ist die Spur des Handelns an der Materie. - Was sollte es darüber hinaus für eine 'Dialektik von Stoff und Form' noch geben?

Zwischen Stoff und Form können Sie nicht überall unterscheiden? Darauf zielt obige Bemerkung ab: Was an einer Sache Stoff ist und was Form, hängt davon ab, was Sie vorab als Stoff aufgefasst haben. Denn das ist es, woraus Sie etwas machen wollen; die Formgebung legt fest, was daraus wird. Ob es sich dabei um einen 'materiellen' Stoff handelt oder einen bloß gedachten, ist Nebensache.




Materiallogisch.



Es ist ärgerlich, dass als Logik seit vielen Generationen nur noch die formale Richtigkeit der Verknüpfung definierter Begriffe verstanden wird; das bringt manche Unsicherheit des Ausdrucks mit sich. Gr. logos heißt Wort, Sinn, Verstand, Bedeutung, und kommt von legein, das lesen, auflesen und durchschauen bedeutet. 'Logisch' sollte sich also auf alles beziehen, auf das diese Bezeichnungen zutreffen, und das ist ziemlich viel. Sein Gegensatz wäre nicht 'unlogisch', sondern faktisch - nämlich sofern man sich ein Faktum ohne seine Bedeutung denkt.
 

Denken kann man letzteres, aber, und das ist hier der springende Punkt, man kann es sich nicht vorstellen. Die Verengung des Begriffs Logik auf das korrekte Schließen aus gegebenen Begriffen setzt offenbar die Gegeben- heit der Begriffe notwendig voraus. Dann wären sie logisch das 'Erste'.
 

Das ist aber eine grundlose Annahme. Material-logisch beruhen die Begriffe auf Gehalten, und diese Gehalte sind Vorstellungen, die in begriffliche Form gebracht werden müssen, um sie operabel zu machen. Die Operalibili- tät der Begriffe macht ihre Form aus, die Vorstellungen sind der Stoff. Daher ist eine Darstellung der Art und Weise, wie sich sachlich eine Vorstellung aus der andern entwickelt, wie die eine in der andern Vorstellung schon enthalten sein mag, ohne als solche deutlich angeschaut worden zu sein - eigentlich ist eine solche Darstellung in einem eminenteren Sinn logisch zu nennen als die bloß-formale, in der Begriffe durch Schlussketten miteinan- der verknüpft werden.
 

Aber unser Sprachgebrauch lässt das nicht zu. Fichte hat das materiallogische Verfahren der Wissenschaftslehre daher genetisch nennen müssen, und es sah aus, als handle es sich zwischen logischer und historischer Betrach- tung um eine eigenständige Kategorie. In philosophischer Hinsicht erheblich ist aber die einfache Unterschei- dung zwischen historisch-faktischer und materiallogischer Betrachtung. Die formallogische Untersuchung ist ein Derivat, ein Reflexionsmittel zum Behuf des kritischen Geschäfts.




Samstag, 22. Juli 2017

Ein reines Wollen.



Ein Gefühl ist mir nur möglich, inwiefern im System der Sensibilität eine Veränderung vorgeht, und aus dieser entsteht eine objektive Erkenntnis. Diese aber ist nicht möglich außer infolge eines Handelns, in wiefern ich mich als Ursache denke. Ich denke mich aber als Ursache, wenn ich das Mannigfaltige des Erfolgs beziehe auf das reine Wollen. Dieses Wollen ist ein ursprünglich Bestimmtes, nicht aber ein empirisch Bestimmtes oder Bestimmendes; ein reines Wollen, inwiefern es sich als Sollen äußert.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 152 

 


Es wird nicht behauptet, zuerst hätten die Menschen einen reinen Willen, danach würde er durch mannigfaltige dialektische Operationen zu einem empirischen. - Hier geht es immer um die Erklärung des Bewusstseins aus der wirklichen Vorstellungstätigkeit. Das Grundschema ist immer dies: Ich finde mich als dieses oder jenes tuend oder getan habend. Ich muss daraus schließen, dass ich es gekonnt habe. Diese Anschauung wird mir zum Begriff eines Vermögens. So muss der wirklich Wollende seinem wirklichen Wollen die Fähigkeit zum Wollen voraussetzen: Die konkrete Vorstellung ist nicht ohne die reflexive Hpostase der abstrakten Vorstellung "möglich"; d. h. möglich ist sie schon, solange ich nicht denke; wenn ich aber denke, muss ich so denken. JE







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Freitag, 21. Juli 2017

Ganz und auf einmal.



"Wenn wir zu unserer Hauptaufgabe zurückkehren, so werden wir sehen, dass noch nichts gewonnen ist":* Das hören wir immer wiedermal in seinem Vortrag. Es bedeutet nur, dass das Entwerfen des Gesamtmodells des vernünftigen Bewusstseins nicht Stück für Stück, durch schrittweises Aufhäufen positiv bestimmter Bausteine geschieht, sondern dass spekulativ die Bedingungen aufgesucht werden, unter denen ein Gesamtmodell mög- lich würde; und eine jede gilt nicht für sich, sondern nur unter der Prämisse, dass das Gesamtmodell wirklich zu- stande kommt; also hypothetisch, bedingt, "problematisch". 

Sollte am Ende das Gesamtmodell doch nicht gelingen, war alles vergeblich und entfällt. Das heißt: Gültig wird es erst zum Schluss, aber dann 'ganz und auf einmal'. Nicht die Einzelnen begründen das Ganze, sondern das Ganze rechtfertigt die Einzelnen; damit sie es begründen können.
 

Ob etwas aber ein Ganzes ist (d. h. sein soll) oder nur ein Teil, ist Sache der Reflexion - nämlich ihrer ersten und einfachsten Form, der Anschauung.

*) Fichte, WL nova methodo, S. 161 






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Donnerstag, 20. Juli 2017

Zum reinen Wollen gehört ein absoluter Zweck.


Augsburger Allgemeine

Der letzte Grund, auf den die Wissenschaftslehre in ihrem ersten, analytischen Teil stößt, ist das Noumenon des Wollens-überhaupt. Aus dieser Triebkraft allein ist der wirkliche Gang der Intelligenz zu erklären (=der zweite, synthetische Gang der Wissenschaftslehre).

Wollen ist aber stets Wollen von Etwas, wollen setzt einen Zweck, an dem es sich bestimmen kann. Dem Nou-menon des Wollens-überhaupt steht daher das Noumenon eines Zwecks-überhaupt gegenüber. Sowenig wie jenes ist er aber bestimmt; er ist bestimmbar, und dieses unendlich. Zweck-überhaupt ist die nicht erschöpfba-re Idee des Absoluten, und der Gang der Intelligenz wäre ohne sie ohne Richtung und könnte eine Vernunft nie ergeben. 

aus Meine Emendation der Wissenschaftslehre.


Das ist kein rein-logischer Gewaltakt; nicht weil es den Begriff  Wollen-schlechthin geben kann, 'muss' es logi- scherweise den Begriff des Zwecks-schlechthin geben; und 'daher' müsse die Sache  'das Absolute' (in den Vor- stellungen) wirklich vorkommen.

Sondern im zweiten, rekonstruierenden Gang der Wissenschaftslehre ist das Wollen-schlechthin sachliche Be- dingung des Vorstellens. Das Was des Wollens ist das schlechthin Bestimmbare, das Zubestimmende. Das wirkliche Vorstellen ist immer nichts anderes als ein Fortschreiten in der Bestimmung - des Zwecks. Dieser Fortschritt geht ins Unendliche und der Zweck-schlechthin bleibt auf ewig unbestimmt, weil bestimmbar. Ob er als solcher im Bewusstsein tatsächlich vorkommt, ist unerheblich: Er kann vorkommen, wenn man will; darauf kommt es an.