Dienstag, 21. November 2017

Philosophie ist keine Gleichung.


 mykenisch, 14. Jhdt. v. Chr. 

Philosophie ist keine Gleichung, sondern eine Metapher.

27. 11. 14






Sonntag, 19. November 2017

Der Mensch kann raten.


Wahrsagerin
 
Auch einem Tier begegnen wohl Situationen, die noch nie vorgekommen sind. Versucht es dann sein Glück?

Nicht eigentlich. Es tut irgendwas, oder auch nichts; was bleibt ihm übrig? 

Der Mensch versucht. Er "stellt sich was vor" und handelt so, wie er es getan haben würde, wenn es wirklich so wäre. Er rät.

Bislang habe ich Max Schelers Satz, der Mensch sei das Tier, das nein sagen kann, zu vervollständigen gemeint in der Formel: Der Mensch ist das Tier, das nein sagen kann, weil er fragen muss. Vollständiger wird er aber so: Der Mensch ist das Tier, das nein sagen kann, weil er raten muss, nachdem er gefragt hat. 

Die Antwort, die er sich nur selber geben konnte, muss er versuchen.  

6. 12. 14

Zwei Arten, vom Begriff zu reden.



Ein Thema der gegenständlichen (reellen) Philosophie ist, wie und wozu die Begriffe zu verwenden sind.
Das ist nicht Sache der Transzendentalphilosophie. Die fragt, wie und woher Begriffe entstehen.






Samstag, 18. November 2017

Einbildungskraft.


  knipseline  / pixelio.de

Dieser Wechsel des Ich in und mit sich selbst, da es sich endlich und unendlich zugleich setzt - ein Wechsel, der gleichsam in einem Widerstreite mit sich selbst besteht, und dadurch sich selbst reproduziert, indem das Ich Un- vereinbares vereinigen will, jetzt das Unendliche in die Form des Endlichen aufzunehmen versucht, jetzt, zurück- getrieben, es wieder außer derselben setzt, und in dem nämlichen Momente abermals es in die Form der Endlich- keit aufzunehmen versucht - ist das Vermögen der Einbildungskraft.
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J. G. Fichte, Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre, SW I, S. 215




Freitag, 17. November 2017

Anschaubar wird meine Tätigkeit nur durch den Widerstand, auf den sie trifft.


Kunstart.net  / pixelio.de  

Handlung ist Tätigkeit, der unaufhörlich widerstanden wird, und nur diese Synthesis des Widerstandes ist es, durch die eine Tätigkeit des Ich anschaubar wird.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 63


Nota. - Nur, was anchaubar ist, ist etwas: Erst durch Handeln wird der Widerstand, der der Tätigkeit geschieht, etwas. Das Handeln ist absolut; es ist der Grund von allem Sein und Gelten.
JE.

Donnerstag, 16. November 2017

Wie ist Erfahrung möglich?


Lothar Sauer

Dass ich mir überhaupt etwas bewusst werden kann, davon liegt der Grund in mir, nicht in den Dingen. Ich bin mir Etwas bewusst; das einzige Unmittelbare, dessen ich mir bewusst bin, bin ich selbst; alles andre macht die Bedingungen meines Selbstbewusstseins aus. Vermittelst des Selbstbewusstseins mache ich mir die Welt bewusst.
 

Ich bin mir Objekt des Bewusstseins nur im Handeln. Wie ist die Erfahrung möglich? heißt: Wie kann ich mir meines Handelns bewusst werden? Auf die Beantwortung dieser Frage geht alles aus, und wenn sie beantwortet ist, so ist unser System geschlossen.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 101




Mittwoch, 15. November 2017

Die Vermittlung zwischen dem Transzendentalen und dem Realen ist das Ästhetische.


André Kertész, 1929
 
Die soeben beschriebene... Philosophie steht auf dem transzendentalen Standpunkt und sieht von diesem auf den gemeinen Gesichtspunkt herab; das ist das Wesen der transzendentalen Philosophie, dass sie nicht will Denkart im Leben werden, sondern zusieht einem Ich, welches im Leben ein Denksystem zustandebringt, sie schafft selbst nichts. Dieses Ich steht auf dem gemeinen Standpunkt. ...

Der Mensch kann sich auf den transzendentalen Standpunkt erheben nicht als Mensch, sondern als spekulativer Wissenschaftler. Es entsteht für die Philosophie selbst ein Anstoß, in ihr ihre eigene Möglichkeit zu erklären. Was gibts für einen Übergang zwischen beiden Gesichtspunkten; - Frage über die Möglichkeit der Philosophie. Beide Gesichtspunkte sind sich ja gerade entgegengesetztes. Gibts nicht ein Mittleres, so ist nach unsern eignen Grund- sätzen kein Mittel, zu ihm über/zugehen. 

Es ist faktisch bewiesen, dass es so ein Mittleres gibt zwischen der transzendentalen und der gemeinen Ansicht: dieser Mittelpunkt ist die Ästhetik. Auf dem gemeinen Gesichts- punkt erscheint die Welt als gegeben, auf dem transzendentalen [als] gemacht (alles in mir), auf dem ästhetischen erscheint sie als gegeben so als ob wir sie ge- macht hätten und wie wir selbst sie machen würden. [vide Sittenlehre, von den Pflichten des ästhetischen Künstlers] 
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 243f.
 
 
Nota. - Weder das Reale noch das Transzendentale gibt es an sich, und ebensowenig das Ästhetische. Es sind alles nur Anschauungsweisen und Gesichtspunkte, die man einnehmen kann in Freiheit (freilich: einen von ihrn muss man einnehmen, wenn immer man wahrnehmen will.) 

Also nicht das Ästhetische ist ein Mittelding; sondern lediglich ein Übergang, wenn ich von dem einen Gesichts- punkt zum andern wechseln will. Vom transzendentalen zum realen: Natürlich - wenn ich aus dem Zustand der Reflexion auf meine Tätigkeit in den Zustand der Tätigkeit unter den Dingen selbst zurückkehren will, stoße ich als erstes auf deren äußeren Schein. Umgekehrt ist es nicht ganz so natürlich. Wenn ich mich aus meiner Tätig- keit unter den Dingen zu meiner bloßen Vorstellung meiner Vorstellung zurückziehen will, muss sich allererst von der Gegenständlich-, nämlich Widerständigkeit der Dinge gegen meine Zwecke abstrahieren, indem ich meine Zwecke selbst außer Acht lasse - und von den Dingen ihren bloße Schein zurückbehalte.

Und drittens kann ich beides tun und dabei auf den Abschluss des Übergangs verzichten; im Übergang schwe- bend verharren. Das wäre Schillers ästhetischer Zustand oder, nach Fichte, der Standpunkt des ästhetischen  Künstlers.
JE



Dienstag, 14. November 2017

Quintessenz der Vernunft.



1. Das Leben hat einen Zweck.

2. Wie immer er zu bestimmen ist - wenn ich ihn erfülle, ist er auf jeden Fall ein Gewinn; wenn ich ihn verfehle, ist das Leben vergeudet.


3. Sinn des Lebens ist Gewinn. 


Nota. - Ob es Vernunft gibt, mag strittig sein. Aber ein Vernunftzeitalter hat es unstreitig gegeben. Was haben sie sich damals darunter vorgestellt? Und wenn es ein solches Zeitalter gab - was ist daraus geworden, und warum? Dauert es womöglich an? 

Die erste Frage ist eine historisch-theoretische. Die zweite nicht.













Montag, 13. November 2017

Transzendentalphilosophie in zwei Sätzen.


Luke Hillestad, Echo

Was in der Intelligenz ist, ist Bild und nichts anderes. - Wir sehen alles in uns, wir sehen nur uns, nur als handelnd, nur als übergehend vom Bestimmbaren zum Bestimmten.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 54
 

Das ist die knappste Zusammenfassung der Wissenschaftslehre, die ich mir denken kann.
JE







Sonntag, 12. November 2017

Transzendental oder ideal.


Lupo  / pixelio.de

...einer sonderbaren Verwechselung. Es ist die des Ich als intellektueller Anschauung, von welchem die WL aus- geht, und des Ich als Idee, mit welchem sie schließt. Im Ich, als intellektueller Anschauung, liegt lediglich die Form der Ichheit, das in sich zurückgehende Handeln, welches freilich auch selbst zum Gehalte desselben wird... 

Das Ich ist in dieser Gestalt nur für den Philosophen, und dadurch, daß man es faßt, erhebt man sich zur Philo- sophie. Das Ich als Idee ist für das Ich selbst, welches der Philosoph betrachtet, vorhanden; und er stellt es nicht auf als seine eigene, sondern als Idee des natürlichen, jedoch vollkommen ausgebildeten Menschen... 
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J. G. Fichte, Zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre, SW I, S. 517





Samstag, 11. November 2017

Das absolute Postulat.




Was tu ich, indem ich philosophiere? Ich denke über einen Grund nach, dem Philosophieren liegt also ein Streben nach dem Denken eines Grundes zu Grunde. Grund ist aber nicht Ursache im eigentlichen Sinne, sondern innere Beschaffenheit – Zusammenhang mit dem Ganzen. Alles Philosophieren muss also bei einem absoluten Grunde endigen. 

Wenn dieser nun nicht gegeben wäre, wenn dieser Begriff eine Unmöglichkeit enthielte, so wäre der Trieb zu philosophieren eine unendliche Tätigkeit und darum ohne Ende, weil ein ewiges Bedürfnis nach einem absoluten Grunde vorhanden wäre, was doch nur relativ gestillt werden könnte – und darum nie aufhören würde. 

Durch das freiwillige Entsagen des Absoluten entsteht die unendliche freie Tätigkeit in uns – das einzig mögliche Absolute, was uns gegeben werden kann und das wir durch unsre Unvermögenheit, ein Absolutes zu erreichen und zu erkennen, finden. Dies uns gegebene Absolute lässt sich nur negativ erkennen, indem wir handeln und finden, dass durch kein Handeln das erreicht wird, was wir suchen. 

Das ließe sich ein absolutes Postulat nennen.
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Novalis, "Fichte-Studien", in Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2, S. 172



Donnerstag, 9. November 2017

Der harte Kern der Wissenschaftslehre.


Petra Bork  / pixelio.de

Anschauung des Wirklichen ist nur möglich durch Anschauung eines wirklichen Handelns des Ich, also alle Er- fahrung geht aus vom Handeln. Ist kein Handeln, so ist keine Erfahrung, und ist diese nicht, so ist kein Bewusst- sein. 

Nur meiner Tätigkeit kann ich mir bewusst werden, aber ich kann mir derselben nur bewusst werden als einer beschränkten. Die Erfahrung bezieht sich auf Handeln, die Begriffe entstehen aus Handeln und sind nur um des Handelns willen da, nur das Handeln ist absolut. Im Handeln erst komme ich auf Objekte. Der Urgrund alles Wirklichen ist daher die Wechselwirkung oder Vereinigung des Ich und NichtIch.  

Das NichtIch ist sonach nichts Wirkliches, wenn es sich nicht auf ein Handeln des Ich bezieht, denn nur durch diese Bedingung und Mittel wird es Objekt des Bewusstseins. Dadurch wird nun das Ding an sich für immer aufgehoben.
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nach J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodoHamburg 1982, S. 60f.





Mittwoch, 8. November 2017

Real sind nicht die Dinge, sondern ihre Wechselwirkung.



 

Der Kritische Idealismus ist kein Materialismus oder Dogmatismus. Kein Materialismus, der von Dingen ausgeht, kein Idealismus, der von einem Geiste als Substanz ausgeht. Kein Dualismus, der vom Geist und von den Din- gen an sich als abgesonderten Substanzen ausgeht. Der kritische Idealismus geht aus von ihrer Wechselwirkung als solcher, oder als Akzidenz beider (Substanz und Akzidenz sind Formen unseres Denkens.) Dadurch wird er der Notwendigkeit enthoben, eines von beiden zu leugnen.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 62


Nota. - Nicht was ist wird wahrgenommen, sondern was geschieht. Eine Sonderung durch Entgegensetzen ge- schieht erst in der Reflexion durch Bestimmung.
JE









Dienstag, 7. November 2017

Ursprünglich ist nur Materie.


Harald Schottner, pixelio.de

…es ist nicht möglich, auf den Raum zu reflektieren, ohne auf das Objekt, das im Raume ist, zu reflektieren; denn der Raum ist die subjektive Bedingung des Objekts, und der Raum ist bedingt durch die Reflexion auf das Objekt.. Es ist nicht möglich, auf das Objekt zu reflektieren, ohne auf den Raum, aber es gibt auch keinen Raum ohne Objekt, sonach sind beide im Bewusstsein notwendig vereinigt; ursprünglich ist kein Objekt und kein Raum gegeben allein, sondern zugleich. Objekt im Raum aber heißt Materie; folglich ist ursprünglich Materie.
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J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 113




Montag, 6. November 2017

Nur als ein Suchen kann die Idee angeschaut werden.


Angelika Schramm, pixelio.de

Der Begriff des Ideals ist eine Idee. Sie ist ein Begriff von etwas, das gar nicht begriffen werden kann; z. B. der Begriff von der Unendlichkeit des Raums. Dies scheint ein Widerspruch zu sein, welcher so gelöst wird: Vom Objekte ist kein Begriff möglich, aber von der Regel, nach welcher es durch ein Fortschreiten ins Unendliche hervorgebracht werden müsste, z. B. der unendliche Raum; jeder Raum, der aufgefasst wird, ist endlich, wir geben daher nur acht, wie wir es machen würden, wenn wir den unendlichen Raum auffassen wollten. Man denkt sich die Regel weg, so bleibt das Suchen übrig, und das ist das Objekt der Anschauung, von der hier geredet wird.
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J. G Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 84


Nota. - Die Idee aller Ideen ist das Wahre-Gute-Schöne, alias das Absolute. Nach obigem hätte sich Fichte darauf festlegen müssen: Wirklich wird das Absolute nur in der Suche danach. Dass er nur wenig später dem pp. Gedan- ken eines Realabsoluten stattgegeben hat, war seine Abkehr von der Transzendentalphilosphie. 
JE







Sonntag, 5. November 2017

Bildsamkeit ist der Charakter der Menschheit.


Annamartha, pixelio.de

…daß der Mensch als solcher nicht Zögling der Natur ist, noch es sein soll. Ist er ein Tier, so ist er ein äußerst unvollkommenes Tier, und gerade darum ist er kein Tier. [S. 81f.] ... Jedes Tier ist, was es ist: der Mensch ist ursprünglich gar nichts. Was er sein soll, muß er werden: und da er doch ein Wesen für sich sein soll, durch sich selbst werden. Die Natur hat alle ihre Werke vollendet, nur von dem Menschen zog sie die Hand ab, und übergab ihn gerade dadurch an sich selbst. Bildsamkeit, als solche, ist der Charakter der Menschheit. [S. 80]
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J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre [1796] SW. Bd. III, S. 81f., 80.




 

Samstag, 4. November 2017

Sehhilfe.

birgitH  / pixelio.de
 
Ausdrücklich und ganz bestimmt durch das Nichtphilosophieren, d. h. dadurch, daß man zur philosophischen Abstraktion sich nie erhoben oder von der Höhe derselben sich wieder in den Mechanismus des Lebens [und] gemeinen Denkens hineinversetzt, entsteht uns alle Realität; und umgekehrt, sowie man sich zur Spekulation erhebt, verschwindet diese Realität gänzlich. 

Nun ist das Leben Zweck, keinesfalls das Spekulieren; das letztere ist nur Mittel. Und es ist nicht einmal Mittel, das Leben zu bilden; es liegt in einer ganz anderen Welt. Was auf das Leben Einfluß haben soll, muß selbst aus dem Leben hervorgegangen sein. Es ist lediglich Mittel, das Leben zu erkennen.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 118]





Freitag, 3. November 2017

Nur eine Gehhilfe.


christoph wesemann 

Unser System ... läßt sich ebensowenig einfallen, das gemeine und allein reelle Denken selbst zu erweitern, / son- dern will dasselbe lediglich darstellen und erschöpfend umfassen. Wir denken im philosophischen, das objektive Denken. Unser philosophisches Denken bedeutet nichts und hat nicht den mindesten Gehalt; nur das in diesem Denken gedachte Denken bedeutet und hat Gehalt.

Unser philosophisches Denken ist lediglich ein Instrument, durch welches wir unser Werk zusammensetzen. Ist das Werk fertig, so wird das Instrument als unnütz weggeworfen.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 114f.]



Donnerstag, 2. November 2017

Zwei Arten zu denken.


daniel stricker, pixelio.de

Es gibt zwei sehr verschiedene Standpunkte des Denkens; den des natürlichen und gemeinen, da man unmittel- bar Objekte denkt, und den des vorzugsweise so zu nennenden künstlichen, da man, mit Absicht und Bewußt- sein, sein Denken selbst denkt. 

Auf dem ersten steht das gemeine Leben, und die Wissenschaft; auf dem zweiten die Transzendentalphilosophie, die ich eben deshalb Wissenschaftslehre genannt habe, Theorie und Wissenschaft alles Wissens, keineswegs aber selber ein reelles und objektives Wissen.
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J. G. Fichte,  Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 111.]



 

Mittwoch, 1. November 2017

Worin man befangen ist, kann man nicht erkennen. (Leben und spekulieren.)


Bild aus hauntedgallery

Worin man befangen ist, was man selbst ist, kann man nicht erkennen; man müßte aus demselben herausgehen, aufhören, es zu sein, sich auf einen Standpunkt außerhalb desselben stellen. Dieses ist die Spekulation; dieser Standpunkt außer dem wirklichen Leben ist sie. 

Nur inwiefern es diesen höhern Standpunkt und diese beiden entgegengesetzten Standpunkte gab, ist es dem Menschen möglich, sich selbst zu erkennen. Man kann leben und vielleicht der Vernunft ganz gemäß leben, ohne zu spekulieren; man kann leben, ohne das Leben zu er/kennen. Aber man kann das Leben nicht erkennen, ohne zu spekulieren.
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J. G. Fichte, Rückerinnerungen, Antworten, Fragen [S. 119f.]