Mittwoch, 28. Februar 2018

Quidproquo.


Alexey Globorodko

Ich führe ein sittliches Leben nicht um des Vernunftprinzips willen, sondern ich setze mir ein Vernunftprinzip voraus, um ein sittliches Leben führen zu können. 

aus e. Notizbuch, Anfg. Sept. 2010

Wenn ich in einem Kosmos lebe, in dem alles seinen Platz hat, so habe auch ich meinen Platz. (Es bleibt mir nur, ihn zu finden.)

Wenn ich in einem Kosmos lebe, in dem jedes sein Gesetz in sich hat, so habe auch ich mein Gesetz in mir. (Bleibt mir nur, es herauszufinden.)

Wenn im Universum Naturgesetze gelten, so auch für mich, weil ich Teil der Natur bin. Ich muss sie nur noch herausfinden.

Wenn aber die Welt bloß der Horizont meiner Vorstellung ist… ?!

5. 11. 14




Dienstag, 27. Februar 2018

Hypothese und Fiktion.



Was ist denn nun das Absolute? – Es ist mein Maß, mehr ist darüber nicht zu sagen; denn wäre es durch Merkmale zu beschreiben, wäre es nicht absolut, sondern bedingt.

Schon 'mein' Maß ist zuviel gesagt, ich müsste mein in Klammern setzen: Es ist (mein) Maß. Da ist ein Un-gleichgewicht, das Gemessene kann hier nicht sein ohne das Maß, wohl aber das Maß ohne zu Messendes. Ich bin ich nur, sofern ich vernünftig bin. Wir gehören enger zusammen als Schuh und Absatz.

Der persische Sufi Mansur al-Halladsch wurde 922 in Bagdad wegen seiner Ketzereien gekreuzigt; darunter die berühmteste, der Satz: Anâ l-haqq, 'Ich bin Wahrheit.' Das war anmaßend, doch skandalös wurde es, weil al-haqq einer der Namen – der einundfünfzigste – Gottes ist; seinen wahren Namen, den sozusagen absoluten, dürfen Muslime wie Juden nicht aussprechen.

Sagbar ist so etwas nur im Moment mystischer Entrückung; die aber steht unter Meister Eckharts Anweisung: Halt nach dir selber Ausschau, und wo du dich findest, da lass von dir ab.

Mit theoretischer Philosophie hat das nichts zu tun. Die muss beim Absoluten Halt machen. Bis hinein kommt sie ebensowenig wie die Kosmologie in den Urknall. Doch während jener eine Hypothese ist und noch nicht alle Hoffnung vergebens, ist dieses eine Fiktion.

27. 11. 15

Montag, 26. Februar 2018

Wie sich Wesen und Erscheinung von einander geschieden haben.

A. Kubin, Selbstbetrachtung                                                                                                                                                                                                                                                                aus Über das Ästhetische

Eine Sache 'bestimmen' heißt: ihren Platz in einem Wirkungszusammenhang ausfindig machen. Daß sie in einem Wirkungszusammenhang steht, ist a priori vorausgesetzt. Dieses Apriori erscheint als ein logisches; ist aber ein historisches. Cf. Habermas: die Leistungen des transzendentalen Subjekts sind ein Erwerb der Gattungsgeschich- te. Die 'Idee' eines Wirk-Zusammenhangs (Animismus) kommt auf, sobald die 'Menschen' (Hominiden) ihre 'Welt' selber machen: auf selbstgewählte Zwecke absehen und ihnen gemäß handeln. Die Idee der Kausalität – alles ist Wirkung, also hat alles eine Ursache – ist Teleologie a tergo [Nietzsche] Zugrunde liegt die ('unvordenk- lich' gewordene) Frage: wozu mag das Ding taugen? Zuerst: mir taugen. Erweiterung: Wenn es zwar nicht mir taugt, dann wohl einem Andern... Was dieses Andere sei, ist das Problem der Metaphysik. Der Wirkungszusam- menhang, der nicht meiner ist, ist das An-sich.

Reuters

Im allgemeinen Wirkungszusammenhang ('Totalität' in Fichtes Grundlagen ...) wird das Eine durch das andere 'bedeutet': Nicht Es bedeutet 'sich-selbst', sondern das andere bedeutet Es. Nur darum kann ein 'Wesen' (das eigentliche Sein) von der 'Erscheinung' unterschieden werden. – Es ist Entwicklungsgeschichtlich aber nicht so, daß das 'Wesen' nachträglich zur Erscheinung hinzu tritt; sondern umgekehrt:

Der animistischen 'Welt'-Anschauung erscheinen alle Dinge als mit eignem Willen begabt. Sie werden nicht von Anderem bedeutet, sondern bedeuten sich selber. Diese eigenwillige Selbstbedeutung kann man den Dingen und namentlich den Tieren ansehen ; wohl nicht entziffern, aber doch erschauen: weniger erkennen als erraten.


Chauvet

Ursprünglich besteht die Welt aus lauter Rätseln. Und zwar so, daß, was nicht zum Rätsel wird, in die 'Welt' gar nicht recht eintritt: als nichts-sagend. 'Wissen' ist ursprünglich Physio-Gnosis. Will sagen, 'ursprünglich' sind Anschauen und Begreifen nicht getrennt, sondern in der animistisch-magisch-mythischen Für-wahr-Nehmung eins. – Mit der Erweiterung des eigenen Wirkungskreises schiebt sich im angesammelten Gedächtnis vieler Generationen zwischen die Wahrnehmung der je einzelnen Wirkungsakte 'belebter Dinge' die Erfahrung von Wirkungs-Zusammenhängen – die im Gedächtnis nun als ein besonderes Bild (daimôn : der 'zuteilt', vgl. Prell-witz), neben den Abbildern der belebten Dinge, bewahrt werden können: Der Begriff tritt hinzu – und trägt, qua Abstraktion, in die Anschauung die Reflexion hinein.

F. Bacon

Jetzt erst scheiden sich Wesen und Erscheinung, indem das Werden ( genesis =Wirkung) als Akzidens eines sub- stanten Seins, alias Ur-Sache (ontos on = Zusammenhang der Wirkungen in einem Ursprung) gedacht werden kann. Die Anschauung wird "intellektual" – d. h. spekulativ; und scheidet sich von der gewöhnlichen, 'sinnlichen' Anschauung, die sie als roh verachtet. Seitdem zerfällt die Welt in Subjekt und Objekt.


Juni 2002

Sonntag, 25. Februar 2018

Begriffsfetisch.


Bura, Niger Valley

Der springende Punkt beim Begriff ist nicht, wie scharf er definiert wurde, sondern wie weit er wann und unter welchen Bedingungen gilt.

Darüber kann er freilich selber keine Auskunft geben. Man kann es nur aus der Distanz beurteilen.


12. 1. 16

Samstag, 24. Februar 2018

Vaihinger oder das Leben als Zweck.

giga

... Ja, was ist denn nun mit Vaihinger? Seine Quintessenz: Alles ist Fiktion – "im Dienste des Lebens". Alles ist Fiktion, außer... "das Leben"! Wenn er es 'streng wissenschaftlich' verstünde, wäre 'Leben' "nichts als" Stoffwech-sel+Fortpflanzung. Aber so fasst  er es natürlich nicht auf; sondern rührt Darwin, Schopenhauer und Nietzsche zusammen, und wenn er Bergson gekannt hätte, wär auch der noch mit rein gekommen. Na, wenn das keine Fiktion ist!

'Alles ist Konstrukt' 
 und wie ist es mit dem Begriff Konstrukt? Na, der natürlich auch... Mit andern Worten: Alles hängt in der Luft? Vaihinger hat das Problem sozusagen intuitiv bemerkt. 'Alles ist Fiktion' hat nur Sinn, wenn 'Fiktion' "im Dienste von" etwas steht, das sie rechtfertigt.

Dieses 'Es' ist dann nicht lediglich Fiktion, sondern ('praktisches') Postulat.


aus e. online-Forum, 9. 8. 08


Nachtrag. – Wenn man freilich "das Leben" als Postulat, nämlich Wert und Zweck auffasst, kann es nicht ausblei-ben, dass man wert- und zweckhafte Maßstäbe auch an das Leben selbst anlegt. Es also in sich in wert- und zweck-volleres und weniger wert- und zweckvolles unterscheidet. Vitalismus ist nicht schon selber rassistisch; aber es gibt keinen Rassismus, der sich nicht vitalistisch zu begründen sucht, und wer selber vitalistisch denkt, ist ihm wehrlos ausgeliefert.

26. 12. 15 



Donnerstag, 22. Februar 2018

Geltung in und außer der Zeit.


süddeutsche

Geltung ist ein logischer Sachverhalt und liegt als solcher außerhalb von Raum und Zeit. Doch ob sie hier und jetzt gilt, nämlich das praktische Verhalten von Menschen zu einander reguliert, ist offenbar eine historisch-faktische Frage.

Sachverhalt ist eine schiefe Metapher, und ich wüsste nicht, wie ich sie übersetzen sollte. Sachen verhalten sich nicht, allenfalls hat sie jemand zu einander in ein Verhältnis gesetzt. Diese Doppeldeutigkeit ist die der Geltung selbst. 'Als solche' ist sie sachlicher Natur, aber als solche 'gibt es' sie gar nicht. Wenn es 'sie gibt', dann stets nur im Verhältnis zu einem unsachlichen Subjekt.

28. 12. 2015 










Mittwoch, 21. Februar 2018

Das Absolute ist ein ästhetisches Ding.


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Unum, verum, bonum, pulchrum: Das Eine Absolute ist keine logische, es ist keine ethische, es ist eine ästhetische Idee. Es ist sogar die ästhetische Idee schlechthin. Was sollte denn, jenseits von seiner brauchbaren Richtigkeit, am Wahren besser sein als das Unwahre? Was sollte, jenseits von seinen gesellschaftlichen Vorteilen, am Guten besser sein als das Böse? Es ist genau das, was am Schönen schön ist: daß es ohne Interesse gefällt.






Dienstag, 20. Februar 2018

"Geist = Absicht"...



...heißt es bei Fr. Schlegel, und wo er keine solche findet, da sucht er nach dem, was fehlt.

Absicht ist die Meinung, das Etwas (etwas) besser sei als nichts (nicht-Etwas), ein Bestimmtes besser sei als ein Unbestimmtes.

Der Witz ist, dass die Menschen den Geist jetzt einmal haben; und wo er nichts findet, worauf er sich verwen- den kann, da denkt er sich etwas.

Geist ist das Vermögen, die Bedeutungs-Lücke aufzufüllen, nachdem er aus der Umwelt, wo alles seine Bedeutung hatte, in die Welt aufgebrochen ist, wo alles, was ihm begegnet, eine Bedeutung erst noch braucht. 

aus e. Notizbuch, 26. 10. 2000









Montag, 19. Februar 2018

Der Horizont schafft die Welt.



Eine Welt entsteht, indem dem erfahrenen chaotisch-Mannigfaltigen ein Horizont hinzugedacht wird. 

Eine Umwelt wird in ihrer Gänze erfahren; und es wird nichts anderes erfahren als sie.

Auch die Menschen leben in Umwelten, die sie aber nicht ererbt, sondern selber geschaffen haben. Sie sind das, was wir unsere Kulturen nennen. Die aber liegen in der Welt.

Umwelten werden erfahren, die Welt wird gedacht.

Eine Grenze wird als solche nie wahrgenommen. Von den Tieren nicht, weil sie in ihrer Umwelt keiner begeg- nen. Von den Menschen nicht, weil sie in ihrer offenen Welt immer nur je einzelne Schranken antreffen, die dadurch ausgezeichnet sind, dass es sie zu überschreiten gilt.

aus e. Notizbuch, im März 2010





Sonntag, 18. Februar 2018

Neugewonnene Gewissheit.

 
Lothar Sauer

Die Annahme eines absoluten Rechtsgrunds allen Geltens ist das Erbe unserer 'natürlichen' Vorgeschichte. Mit dem Fortfall der 'Umwelt' verlor diese Annahme ihre praktische Verbindung mit den wirklichen Lebensbedin-gungen. Es entstand der Hiatus: das fragen-Müssen.

Das Absolute als Idee ist ein Reflexionsprodukt. Es kommt zustande, 'weil anders gar nichts gelten könnte'. Es ist eine Konstruktion a tergo. Oder, mit Fichte zu reden, eine proiectio per hiatum irrationlem. (Er hat den Jacobi besser verstanden als der sich selbst. Dafür hat der ihn besser verstanden als er sich selbst.)

aus e. Notizbuch, Mai 2007



Das Absolute ist die Wiederherstellung der Selbstverständlichkeit, die uns mit dem Verlassen unserer Urwald- nische verloren gegangen ist, mit andern Mitteln. Während die Gründe der Selbstverständlichkeit dem Tier als seine Umwelt gewissermaßen im Rücken liegen, haben wir die Bürgschaft allen Geltens erst noch vor Augen, und in ganz weiter Ferne

22. 11. 14

Samstag, 17. Februar 2018

Rück-Versicherung.



Das Absolute, das Unbedingte, das Vollkommene - ist das, was so ist, wie es sein soll.

Für das naive Bewusstsein ist alles "so, wie es sein soll".

Das ursprüngliche Bewusstsein der Menschen - nämlich als sie überhaupt zu Bewusstsein kamen - ist nicht naiv. Denn es ist geprägt von der Fraglichkeit von allem, was begegnet. Die Frage 'ist es so, wie es sein soll', geht auf in der Frage, was es ist. Weil die Selbstverständlichkeit der Urwaldnische verloren ging. 

Die Idee vom Vollkommenen, Unbedingten, Absoluten, das "so ist, wie es sein soll", ist der Wunsch, die Selbstverständlichkeit der Urwaldnische wiederzufinden.

aus e. Notizbuch, 30. 8. 10


Ja, das ist nichts anderes als im [gestrigen Eintrag]. Manch neuer Einfall ist so elementar, dass man ihn ein paarmal haben muss, bis er sitzt.


Freitag, 16. Februar 2018

Qualitäten sind singulär.


Ilya Serayev 2013

Ästhetische Eigenheiten sind qualitativ, nicht relationell. Darum lassen sie sich nur anschaulich wiedergeben, aber nicht begreifen.

Der bestimmte Gegensatz zur Qualität ist nicht die Quantität, sondern die Relation.* Relationen – das ja – lassen sich messen; Begriff ist Relation. Qualität nicht. Sie ist an sich. Man kann sie nachzubilden versuchen. Wenn es ge- lingt, nennt man es Kunst.

*) Quantität ist selber eine Relation - und zwar die gewöhnlichste.  

Juni 21, 2010 
 
Nachtrag. Gemeint ist natürlich: Qualitäten lassen sich nur in ästhetischen Modi darstellen; nicht aber diskursiv. 





Donnerstag, 15. Februar 2018

Keine Antwort ist auch eine Antwort.



Natürlich ist die Welt eine Rätselveranstaltung. Nur weil die Welt ein Rätsel ist, gibt es Philosophie. Und natürlich machen wir unsere Rätsel selbst. Denn nur "für uns" gibt es eine Welt. (Das Tier lebt in seiner Um- welt und wundert sich nicht.) Nur weil wir an die Welt Fragen stellen, gibt sie Antworten und ausbleibende Antworten, alias Rätsel.

aus e. Notizbuch, Sommer 2008



















Nota.Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Das Ding-an-sich stammt aus einer übersinnlichen Anschauung.



Es sind die Absichten der Menschen, an denen die Eigenschaften der Dinge aufscheinen.

*

Dieser Eintrag ist ein Witz. Wenn ich mir von der Erscheinung alles wegdenke, was in irgendeinem Verhältnis zu meinen Absichten stehen könnte, dann bleibt übrig... die Erscheinung. Also immerhin alles, was - "absichts- los" - mein Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken affizieren könnte. Es  bleibt immer zurück - die ästhe- tische 'Seite'


Wenn ich von der auch noch abtsrahiere, abstrahiere ich von der Erscheinung selbst. Übrig bleibt nicht ein Ding-an-sich, das dadurch 'bestimmt' wäre, dass es "keiner Erfahrung zugänglich ist"; sondern: kein Ding. 

Und tatsächlich beruht die Annahme, dass das Ding 'da ist', bevor und ohne dass ich eine Absicht auf es richtete, auf bloßer "Betrachtung"; gr. theôria, seit Plotin als Gegensatz zur prâxis aufgefasst.*

aus e. Notizbuch, im Herbst  08


*) Eine übersinnliche Anschauung, wenn ich mir diesen Ausdruck erlauben darf. In dem Maße, wie sich die Bedeu- tung von 'Praxis' im Laufe der bürgerlichen Jahrhunderte hin zur Technik verschoben hat, wurde auf der andern Seite 'Theorie' immer mehr mit Absicht aufgeladen - und mit Kalkül gleichgesetzt.




Dienstag, 13. Februar 2018

Begreifen und vorstellen.



Der Form nach besagt der Syllogismus nur: Wenn (a) und wenn zugleich (b), dann ebenfalls zugleich (c).

Material, nämlich in der wirklichen Vorstellung, klingt der Syllogismus aber so: Wenn in einen Fundus toter Bedingungen eine Tat eingreift, dann wirkt sie Wirklichkeit. Aus a+b folgt c. 

aus e. Notizbuch, Mai 2009



Der Begriff ist statisch; dynamisch ist die Vorstellung. 'Was in Begriffen dargestellt wird, ruht.' (Schelling)



Montag, 12. Februar 2018

Das Absolute ist Stoff an sich.



Gegenstand der intellektuellen Anschauung ist das Absolute.

Das Absolute ist das Schema des Vollkommenen. Vollkommenheit ist eine ästhetische Kategorie; die Vorstellung von Etwas, das ohne Makel ist; was ohne Einschränkung gilt. Doch in der Vorstellung eines Absoluten wird nun auch von dieser Bestimmtheit noch abstrahiert: "Etwas", welches als ein solches bestimmbar wäre. Im Absolu- ten entfällt alle Bestimmtheit. Oder anders: es ist negativ bestimmt als das, was schlechterdings nicht bestimm- bar ist, weil es aller Bestimmung selber zu Grunde liegt. Das Absolute ist kein Begriff, sondern eine Idee. Es wird angeschaut, aber nicht mit den Sinnen, sondern allein mit der Einbildungskraft.

aus e. Notizbuch, im Juli 2009


Das Absolute ist der allgemeinste Urteilsgrund. Es ist der Stoff des Geltens; das heißt, der Stoff schlechthin. Es ist Qualitas qualitatium.




 

Nota. Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Sonntag, 11. Februar 2018

Der Begriff ist ein Abkömmling.


Rudolpho Duba, pixelio.de
 

In den Begriffen wird das festgestellt, was sich aus Anderem her leiten und eo ipso mit Anderm vergleichen lässt. Eben dieser Umstand: Ableitbarkeit und Vergleichbarkeit, macht Begrifflichkeit aus. Sie beruht allerdings auf der gewagten Annahme - ein pari, mit Pascal zu reden -, dass es für alles einen gemeinsamen letzten Grund gibt, in dem sie alle miteinander zusammenhängen. Nur logisch erscheint das diskursive System "eher da" zu sein als der Begriff selbst. Historisch waren aber zuerst die Vorstellungen "da", bevor sie in Begriffe gefasst - d. h. mit einan- der verglichen und aus einander her geleitet wurden.

aus e. Notizbuch, ca. 2002  


Nachdem das diskursive System - alias die Vernunft - einmal ausgebildet ist, kommt es sachlogisch - alias genetisch - vor den Begriffen selbst.



 

Samstag, 10. Februar 2018

Das wirkliche Bewusstsein ist ein reiner Praktiker.


Bernd Kasper, pixelio.de

In meinem Bewusstsein (nur davon kann ich wissen) kommen keine Erscheinungen vor, sondern nur das, was sie bedeuten. Eine Bedeutung ist etwas, das mich veranlassen kann, mein Leben so oder anders zu führen: ein prak- tischer Entscheidungsgrund. Hier ist nicht die Rede vom transzendentalen Subjekt – das führt kein Leben und tut dieses oder das, sondern 'ist tätig' in abstracto -, sondern von wirklichen Menschen. Die Unterscheidung von Sein und Gelten (den jeweiligen Modi von Erscheinung und Bedeutung) fällt nicht erst im kritischen Teil der Phi- losophie, sondern eröffnet ihn; gehört selber in die Metaphilosophie. Der Gedanke von einem Ding, wie es wäre, wenn es ohne Bedeutung wäre, ist ein Erzeugnis der Reflexion – indem ich nämlich von meiner existenziellen Bestimmtheit, mein Leben führen zu müssen, einstweilen absehe und so tue, als ob ich [von außerhalb in eine fremde Welt hineinschaute.]  

Aus e. Sudelbuch, Anfang 90er 




 

Freitag, 9. Februar 2018

Wie ich und die Welt einander geschaffen haben.


Léon Bonnat, Jacob ringt mit dem Engel

Eines ist in der Geschichte ganz bestimmt nicht vorgekommen: dass ein bloßes geistiges "Vermögen", ohne einen körperlichen Träger und ohne irgendwelche physiologische Vorerfahrung rein und unbescholten in die Welt getreten wäre und sich spontan zur Selbst-Bestimmung entschlossen hätte. Und doch lässt sich der Sinn unserer Gattungsgeschichte nicht anders als im Bild dieses Akts darstellen. Dieses Bild hat selber keinerlei positiven Erkenntniswert, man kann daraus nichts schlussfolgern, es lässt sich in keinen wie immer gearteten Denkvorgang als Operator einbringen. Sein Wert ist ausschließlich "regulativ" und kritisch: Es soll uns vor dog- matisch spekulativen Abwegen in Acht nehmen. Gerade das ist es aber, was der Pädagoge braucht, damit er nicht etwa auf die Idee kommt, dass nur durch ihn der Mensch zum Menschen wird. 

Wenn dann das uns überlieferte Bedeutungsgeflecht 'Welt' in der Geschichte einmal zu Stande gekommen ist, dann kommt es so jeden Tag neu zustande – wenn nämlich ein Neuer "zur Welt kommt". Und meine Welt ist dann keineswegs nur die individuelle Empfängnis von 'unserer' Welt, sondern mein eignes Bauwerk, in das ge- gebenes Material ebenso eingegangen ist wie mein eigner 'Plan'; und wenn der Plan auch an fremden Vorbildern orientiert sein mag, so habe ich mich doch für ihn entscheiden müssen. ...  

aus e. Notizbuch, in 2004?

Donnerstag, 8. Februar 2018

Absolut, aber historisch.


Australopithecus afarensis

Ist die Wissenschaftslehre eine Anthropologie?

Sagen wir mal so: Der Mensch, von dessen Geist die WL eine 'pragmatische Geschichte' erzählt, ist das auto- nome Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft. Nicht immer hat ein Ich sich selbst gesetzt, indem es sich ein(em) Nicht-Ich entgegegesetzt hätte. Denn nicht immer hat sich ein Ich gesetzt. Unsere allerersten Vorfahren kannten, nachdem sie ihren Urwald verlassen hatten, außer ihrem Gruppen-Wir wohl nur ihr unmittelbarstes Bedürfnis.
 
11. 10. 13


Historisch und doch absolut? Dass das Ich als ein Absolutes gilt, ist etwas historisch Gewordenes.








Mittwoch, 7. Februar 2018

Es gibt nichts Unbestimmtes.


 
Das logisch Unbestimmte ist phänomenal (entwicklungsgeschichtlich, genetisch) ein Zubestimmendes; nicht unbestimmt, sondern bestimmt als ein mit einem Mangel Behaftetes. Es ist als Frage gegeben. Es begegnet nicht als etwas, das im allgemeinen Verweisungszusammenhang der Bedeutungen keinen Platz hat, sondern als eines, dessen Platz noch aufzufinden ist. Es ist (schon) eine Aufgabe.

Dem Tier begegnet in seiner geschlossenen Umwelt nichts schlechthin Bedeutendes, sondern immer schon ein Dieses-Bedeutendes. Was in seiner Umwelt nichts zu bedeuten hat, begegnet ihm nicht als unbedeutend, sondern begegnet ihm so-gut-wie-gar-nicht. Das Gesamt aller ihm möglichen Bedeutungen ist in seiner Umwelt, als seine Umwelt abgeschlossen. Es ist kein zu realisierender Verweisungszusammenhang, sondern realisiert sich selber als ein Dieses-hier-und-jetzt.

Der logischen Betrachtung erscheint das Reich der Bedeutungen als gegeben, der transzendentalen Betrachtung erscheint es als gemacht.

*

Was ist daran aber romantisch?

Dies: Das Schöne ist nach Kant das, was so aussieht, als ob es seinem Zweck vollends entspräche – ohne dass ein Zweck doch an ihm zu erkennen wäre.
 
Im Reich der Bedeutungen ist ihr Zweck immer das, was eine Sache zu 'dieser' bestimmen kann. Die ewige Sub- version des ästhetischen Phänomens – das, was das Reich der gefügten Bedeutungen allezeit unterwühlt – ist ja nicht, dass es keine Bedeutung hat, sondern dass es den Betrachter herausfordert, eine neue Bedeutung, einen noch ungeahnten Zweck zu erfinden, die das bewährte Gefüge der gegebenen Bedeutungen aus dem Gleichge- wicht bringen mögen. Und damit hat es nie ein Ende.


•Juni 13, 2010



 

Dienstag, 6. Februar 2018

Nach-gedacht.


J. Ribera, St. Peter

Es ist mir nicht entgangen, dass ich mich mit meinem Kommentar zum gestrigen Eintrag in einen Widerspruch mit mir selbst gesetzt habe. Ist das Ich als Idee der gemeinsame und verbindende Zweckbegriff sowohl meiner als auch unserer Welt, kann ich nicht aufrecht halten, dass Vernunft (und Recht) ihren Platz in unserer Welt haben, während Moralität eine Sache meiner Welt ist.

Zuerst ist zu spezifizieren: Wenn der unendliche Endzweck auch derselbe ist - so urteilt Vernunft doch aus Gründen und Schlüssen, während Moralität ihr Urteil aus einem "Affekt des Herzens" alias aus ästhetischer Anschauung trifft. Argumente und diskusive Demonstrationen kommen als moralische Vorhaltungen nicht in Betracht. Was an der Vernunft Verstand ist, ist in moralischer Betrachtung nicht am Platz. 

Aber zweitens ist im 'absoluten' Zweckbegriff zu differenzieren, was a priori ein Unding ist. Während das moralische Urteil das Ich als dieses, als empirisches Individuum im Blick hat und allein nach der Moralität seiner Handlung fragt, geht es bei den vernünftigen Urteilen in 'unserer' Welt allein um die Folgen dieser Handlung, und der Richtstuhl ist nicht das Ich als Individuum, sondern das Ich als Teil der intelligiblen Welt alias 'Reihe ver- nünftiger Wesen'. Umgagssprachlich unterschieden in 'Gesinnungsethik' und 'Verantwortungsethik'.

*

Damit ist die Frage nicht erschöpft, das gebe ich zu. Aber Sie sehen: Ich bin dran.




Montag, 5. Februar 2018

Vom Ich als Idee.


Mensi / pixelio.de

Das Ich als Idee, ist das Vernunftwesen, inwiefern es die allgemeine Vernunft teils in sich selbst vollkommen dargestellt hat, wirklich durchaus vernünftig und nichts als vernünftig ist; also auch aufgehört hat Individuum zu sein, welch/ches letztere es nur durch sinnliche Beschränkung war: ... Die Welt bleibt in dieser Idee, als Welt überhaupt, als Substrat mit diesen bestimmten mechanischen und organischen Gesetzen...

Die Idee des Ich hat mit dem Ich als Anschauung, nur das gemein, daß das Ich in beiden nicht als Individuum gedacht wird; im letzteren darum nicht, weil die Ichheit noch nicht bis zur Individualität bestimmt ist, im ersteren umgekehrt darum nicht, weil durch die Bildung nach allgemeinen Gesetzen die Individualität verschwunden ist. Darin sind aber beide entgegengesetzt, daß in dem Ich als Anschauung nur die Form des Ich liegt und auf ein eigentliches Material desselben, welches nur durch sein Denken einer Welt denkbar ist, gar nicht Rücksicht genommen wird; da hingegen im letzteren die vollständige Materie der Ichheit gedacht wird. 

Von dem ersten geht die ganze Philosophie aus, und es ist ihr Grundbegriff; zu dem letzteren geht sie nicht hin; nur im praktischen Teile kann diese Idee aufgestellt werden, als höchstes Ziel des Strebens der Vernunft. Das erstere ist, wie gesagt, ursprüngliche Anschauung, und wird auf die zur Genüge beschriebene Weise Begriff: das letztere ist nur Idee; es kann nicht bestimmt gedacht werden, und es wird nie wirklich sein, sondern wir sollen uns dieser Idee nur ins Unendliche annähern. 
_________________________________________________________________
J. G. Fichte, Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre, SW I, S. 517f. 


Nota. - Das Ich als Idee ist eines, das ausschließlich in die intelligible Welt gehört; eine Idee eben, die der Zweck- begriff der Handlungen des empirischen Individuums sein soll - und als solche sich nicht fassen lässt. Es ist eine Aufgabe, die aber nie erfüllt sein wird; das 'Bestimmen' der Idee geht ins Unendliche fort.  'Unendliche Annä- herung' ist aber kein treffenden Ausdruck; solange sie unendlich ist, ist sie keine Annäherung, denn die Entfer- nung bleibt stets dieselbe: unendlich. Unendlich minus X ist Unfug.

Allerdings wäre das Ich als Idee (und der Gedanke eines Absoluten überhaupt) der Gesichtspunkt, unter dem meine Welt und unsere Welt vereinigt sind. Mein Handeln in dem einen wie in dem andern Bereich verfolgt ide- aliter denselben unendlichen Endzweck.
JE




Sonntag, 4. Februar 2018

Genetisch ist nicht historisch.



Eins ist in unserer Geschichte nicht vorgekommen: dass Menschen isoliert lebten und sich erst zusammentun mussten, um sich zu vergesellschaften. Die Menschen lebten schon in großfamilialen Verbänden, bevor sie überhaupt Menschen wurden. Ein geschichtliches Ereignis war es vielmehr, dass gesellschaftliche Bildungen entstanden, in der sich die Individuen individualisieren und zu Einzelnen vereinzeln konnten. Und in der wirklichen Geistesgeschichte musste ein bestimmtes Ich aus einem unbestimmten 'wir' sich erst heraus bilden, um sich als einem Nicht-Ich entgegengesetzt setzen zu können.

Manche Binsenwahrheit muss erst ausgesprochen werden, bevor sie einleuchtet: Die Wissenschaftslehre ist nicht die wirkliche Entstehungsgeschichte des Bewusstseins. Sie hebt an auf dem Punkt der bürgerlichen Gesellschaft, wo sich die Individuen als Subjekte ihres Lebens vorkommen und zu anderen Subjekten in Konkurrenz treten. Versippte Haufen, die aufeinander einschlagen, brauchen keine Vernunft, nicht nach außen und nicht nach innen.

Die wirkliche Geschichte des Bewusstseins begann nicht mit dem Vereinigen, sondern mit dem Trennen. Von dieser Trennung geht die Wissenschaftslehre aus.

3. 12. 14



Samstag, 3. Februar 2018

"Ein Affekt des Herzens".


Carlo Finelli

Die moralische Überzeugung, sagt Fichte, entstünde nicht als ein Schluss des Verstandes, sondern als ein Affekt des Herzens.

Erinnert sei im Vorbeigehen, dass es sich bei dem fiktiven moralischen Endzustand, der uns die Gewissheit einer göttlichen Weltregierung verbürgen soll, um einen - Schluss des Verstandes handelt, der das Herz auch von empfindsamen Naturen ganz unaffiziert lässt; was nicht weniger bedeutet, als dass er auf dieser Abstraktion eine Moral oder gar einen Glauben nicht bauen kann.

Nun zum positiven Gehalt. Dass es um das Herz geht, muss man nicht wörtlich nehmen, auch wenn der Autor es so gemeint haben sollte. Entscheidend ist, dass es kein Schluss ist, bei dem der Verstand aus dem Verknüpfen von Begriffen Argumente konstruiert und abwägend sein Urteil fällt. Der Beifall, der hier geschieht, geschieht mit der Wahrnehmung, Anschauung, Vorstellung selber, vor allem Abwägen, vor aller Reflexion. Das ist, ein anderes Wort kommt nicht in Frage, ein ästhetisches Urteilen.

Fichte hat die ästhetische Spur nicht weiter verfolgt, das System der Sittenlehre ist 1798 erschienen, kurz bevor der Atheismusstreit ausbrach, der ihn auf einen dogmatischen Abweg führen sollte. Sein Schüler Herbart sollte diesen Gedanken systematisieren; leider erst, als auch er die Wege der Tranzendentalphilosophie verlassen hatte.

Notabene: Dass der Beifall 'des Herzens' bei dem einen dieser,  bei dem andern jener Vorstellung gilt und sie sich nie anders als durch Zufall auf etwas einigen können, spielt für die Moralität gar keine Rolle. Denn ver- ständigen müssen sie sich nur darüber, was rechtens ist; was im moralische Sinn gut ist, mag jeder für sich ent- scheiden. Es kommt nur darauf an, dass er sich an das gebunden fühlt, dem er 'von Herzen' Beifall zollt. Er wird dann ein besserer Mensch sein, und über das, was rechtlich ist, wird man mit ihm dann auch sachlicher reden können.

1. 12. 14




Donnerstag, 1. Februar 2018

Transzendentalphilosophie und empirische Befunde.


Sehtestbilder

Nachtrag zu gestern.

Empirische Befunde, egal in welchem Fach, können die Schemata der Transzendentalphilosophie nicht beweisen - weil die keine Tatsachenbehauptungen sind, sondern Sinnbestimmungen. Könnten sie aber die sinnhaften Modelle der Transzendentalphilosophie widerlegen? Auch das nicht unmittelbar. Aber in Verle- genheit käme die Transzendentalphilosophie schon, wenn ihren Sinnbehauptungen der Augenschein direkt widerspräche. Da müsste sie eine Menge Dialektik aufbieten, um den schlechten Eindruck wieder zu zer- streuen.

Weshalb sage ich das an dieser Stelle? Weil aus der Sicht des Transzendentalphilosophen das bewusst-Sein kein Zustand ist, sondern ein Akt, durch den sich das Ich bewusst macht. Würde nun der Hirnforscher eine Stelle im Gehirn finden, wo das Bewusstsein "sitzt" und womöglich selbst im Schlaf noch blinzelt, oder eine Verschal- tung mehrerer Zentren, die eine dauerhafte 'höhere Ebene' bildete - dann würde das noch nichts beweisen und die Befunde wären immer noch erst sinnhaft zu interpretieren; aber man müsste sich schon einiges einfallen lassen, um glaubhaft zu machen, dass 'der Augenschein trügt'.

aus einem Kommentar, 24. 4. 2016 


Nachtrag. - Die Transzendentalphilosophie handelt von nichts objektiv Wirklichem. Sie handelt von unserem wirklichen Vorstellen; und von wirklichen Dingen nur, inwiefern sie in der Vorstellung vorkommen. Sie ist selber eine Vorstellung des Vorstellens. Die Neurophysiologie kann mehr oder weniger genau beschreiben, welche neuronalen Prozesse stattfinden, wenn vorgestellt wird; aber was sie dem Vorstellenden bedeuten, kann sie weder erkennen noch erklären. Wo etwa das bewusste Subjekt einen Kausalzusammenhang wahrnimmt, kann auch sie lediglich ein Vorher-Nachher beobachten. 

Die Transzendentalphilosophie fasst bewusst-Sein als ein Handeln auf. Der bewusst Vorstellende sieht überall seine eigene Tätigkeit mit, auch wenn er sie nicht bemerkt. Wo dieses auf jenes folgt, sieht er einen Großen Handelnden am Werk, den er sich nur als einen Wollenden denken kann, und sein Wollen fasst er als Natur- gesetze und Naturzwecke auf. Vor einem bloß-Faktischen, das lediglich 'da ist' ohne ein Woher und Wozu, ist seine Vorstellungskraft ratlos: Es muss ja doch irgendeinen Sinn haben!
 
Es ist der Vorstellende selbst, der für all sein Tun und Lassen Sinn und Zweck braucht. Es ist sein Wirken, das die Transzendentalphilosophie in allem Vorgestellten aufdeckt. Sowie der Mensch bewusst wird,* ist er ein Handelnder, dass er für Alles einen Sinn und seinen Zweck sucht, macht seine Vernünftigkeit aus. 

Weiter kann sie nicht gehen, aber tiefer: Um den Menschen als einen schlechthin Handelnden bestimmen zu können, muss sie ihn zuvor als einen schlechthin Wollenden gesetzt haben. Das ist nun der Schlusspunkt der Transzendentalphilosophie, von hier an kann sie nur wieder zurück und den Gang der Vernunft Schritt für Schritt rekonstruieren.

Das einzig Empirische daran ist die Erfahrungstatsache, dass wir Menschen vorstellen. Alles andere ist Refle- xion auf Sinnzusammenhänge, vorauszusetzende Absichten, anzunehmende Zwecke: nichts, was empirische Forschung beweisen oder widerlegen könnte. Und doch ist sie wissenschaftlich: Denn sie lässt nichts gelten, als was sie analytisch aufgefunden oder aus erklärten Gründen konstruiert hat. Ihr einziger 'Beweis' ist, wenn und dass ihre Sätze untereinander zusammenpassen und als Ganzes einen Sinn ergeben. Dieser Sinn ist ein anthro- pologischer: das Bild vom Menschen als einem Wollenden und Zwecke Setzenden. Er ist aber, auch im System, nur ein Postulat, beweisen lässt er sich nicht. Er kann sich allenfalls im Leben bewähren. Doch ob er das tut, wird stets umstritten bleiben. Das Verdienst der Transzendentalphilosophie ist, dass sie klargestellt hat, worum der Streit geht.

*) Nur seines Handelns kann er bewusst werden.